Die Trauer im Ellbogen

September 29th, 2017

Diese Sitzung zeigt wie wichtig die Präsenz, der heilsame Raum sowie der Mut des Therapeuten ist seiner/ihrer (Hell-)Fühligkeit und Intuition und der Spur von dem, was sich im Feld zeigt zu folgen. Der Körper formt den dichtesten Teil von diesem Feld.

Dies war die 3. Sitzung mit der Klientin, die zunächst wegen Schwindel und diffusen Schmerzen zu mir kam. Nach circa 20 Minuten Behandlungszeit, in denen ich wie festgeklebt an ihrem Fussende sass und ihre Füsse lauschend hielt, sagte etwas in mir:”Der rechte Ellbogen! Geh’ zum rechten Ellbogen!” Der innere Kritiker meldete sich in mir kurz zu Wort und sagte:” Warum denn der rechte Ellbogen? Das ist doch Quatsch!” Da ich nach vielen Jahren Erfahrung, aber gut mit dem Feld und nicht (mehr) mit dem inneren Kritiker verbunden bin, verflüchtigte sich der Einwand sehr schnell wieder.
Ich ging’ also zum rechten Ellbogen der Klientin und hielt diesen in einer und ihre Hand in meiner anderen Hand. Wieder entstand dieses ‘festgeklebte Gefühl’, als würde mich jemand dort festhalten. Von aussen betrachtet, tat ich nichts. Nach gefühlt längerer zeit, kam mir das Bedürfnis auszusprechen, was ich dort wahrnahm. Ich sagte:” Es fühlt sich an als würde der Ellbogen AUA sagen.” Die Klientin sagte:”Hmm, ich erinnere mich nicht. Ich hatte keinen Sturz oder keine Verletzung am Ellbogen….” Sofort war mein innerer Kritiker zur Stelle und sagte: “Siehste!” Aber ich vertraute meiner Wahrnehmung und blieb dran. Nach etwa weiteren 5 Minuten, veränderte sich etwas: Am Gesicht meiner Klientin und an der intensiveren, aber eher oberflächlichen Atmung konnte ich dies ablesen. Ich fragte nach.

Sie sagte: “Ich denke an meinen Vater. Ich habe ihn beim Sterben begleitet. Meine Mutter machte mich sehr wütend denn sie holte mich kurz aus dem Zimmer…und als ich weg war starb er.” Ihr Gesicht und ihr Hals kontrahierten jetzt sichtbar und ihr Kinn fing stark an zu zittern. Jetzt flossen Tränen und die festgehaltene Trauer konnte beginnen sich ausdrücken.
Dann erzählte sie: “Ich zog ihn an als er gestorben war und als ich seinen Arm in das Hemd stecken wollte brach’ ich ihm seinen rechten Ellbogen….Ich werde dieses Geräusch niemals vergessen!” Erneut flossen Tränen und lang festgehaltener Schmerz konnte sich lösen.
In diesem Zusammenhang zeigte sich auch der starke Schwindel wieder. Manchmal zeigt sich starker Schwindel wenn der innere Druck, das was weggedrückt ist, zu stark wird.

Gegen Ende der Sitzung wurde ich mir der Präsenz Ihres Vaters bewusst. Er sagte “Hallo und danke”.

Zu Anfang der nächsten Sitzung erzählte mir die Klientin dann, dass sie zum ersten Mal seitdem ihr Vater gestorben war von ihm geträumt hatte und dann in den Morgenstunden ein extrem intensives Gefühl seiner Präsenz hatte. Dies brachte ihr grossen inneren Frieden und Ruhe. Ich fand das wunderschön….