Über den Körper die Seele heilen – Warum Worte Dich nicht erreichen.

April 30th, 2020

Das Worte manchmal nicht reichen ist Dir sicherlich nicht neu. Du kennst die Momente im Leben, in denen ein ‘Gut-zu-reden’ sei es durch andere oder Dich selbst nur einen kurzen Moment der Erleichterung oder des Mutes bringen, aber nicht nachhaltig wirken. Kaum ist der Moment vorbei, zeigen sie sich wieder: Die Zweifel, die Ängste, die dunklen Wolken oder die körperlichen Beschwerden, für die es doch scheinbar keinen Grund mehr gibt. Du kannst analysieren, reflektieren was das Zeug hält, aber es ändert nichts.

Woran liegt das?
Wenn ich ein Bild malen würde, dann würde es einen Körper zeigen und einen Schwall von Worten, die an diesem abprallen und auf den Boden rieseln. Neurobiologisch lautet die Antwort: Implizites Gedächtnis.

Das wortlose Andere und das implizite Gedächtnis – wie es in uns lebt und wirkt.
Dieses ‘wortlose Andere’ ist verantwortlich dafür, dass Dich vielleicht der Mut immer wieder verlässt, Dir eine 
scheinbar leichteEntscheidung schwer fällt oder die dunkle Wolke der Schwermutes sich wieder über Dir sammelt wie das Schwert des Damokles.

Bei diesem wortlosem Anderen handelt es sich um einen riesigen Ozean aus Erlebtem: Zum einen um lang vergessene oder ins Unbewußte verdrängte Situationen, in denen Du Deine wahrhaftigen Gefühle wie zum Beispiel Trauer oder Zorn nicht ausgedrückt hast. Oder um Wesens – Qualitäten, die nicht gesehen oder sogar bestraft wurden.

Beispiel: Ein Klient, um die 50 Jahre alt, kam mit BurnOut Gefühlen und Herzbeschwerden (ohne organischen Befund) zu mir in die Praxis. Als ich in unserer zweiten Sitzung mit seinem Herzen ‘arbeitete’, brach’ er plötzlich in Tränen aus und der Verlust seiner ersten grossen Liebe brach sich Raum und fand’ Erlösung. Aggression und Zorn ist eine Qualität, die oft nicht ‘geduldet’ oder bestraft wurde, obwohl Aggression (‘direkt auf etwas zugehen’)ohne seine negative Assoziation einfach nur kraftvolle, klare Lebensenergie ist. Weggedrückt findet sie nur verzerrt ‘Ausdruck’: in körperlichen Symptomen, in Jammerei, Depression oder blinder Gewalt.

Frühes Erleben, traumatische Erfahrungen und das implizite Gedächtnis. Zum anderen handelt es sich bei dem, was durch Sprache und Analyse nicht berührt werden kann und als Blaupause für alles in unserem Leben folgt betrachtet werden kann, um (unbewusste) Erfahrungen an unser ganz frühes (Er)Leben so wie traumatische Erfahrungen. Diese werden im impliziten Gedächtnis gespeichert und wirken weiterhin kraftvoll in unser Leben hinein! Was bedeutet das?

Das implizite Gedächtnis ist jener Teil des Gedächtnisses, der sich auf Erleben und Verhalten des Menschen auswirkt, ohne dabei ins Bewusstsein zu treten. Der Begriff dient der Abgrenzung zum expliziten Gedächtnis, das unter anderem das autobiographische oder Episodengedächtnis enthält, also Gedächtnisinhalte, über die verbal berichtet werden kann. (Wikipedia)

Traumatische Erfahrungen, welche wir vor dem dritten Lebensjahr gemacht haben, werden im Stammhirn gespeichert und wirken im impliziten Gedächtnis. Dieses speichert alles, was mit dem erlebten Trauma in Zusammenhang steht, um sicherzustellen, dass wir zukünftig nie wieder in diese Situation kommen. (Dami Charf)

Veränderung wird durch Zugang zum impliziten Gedächtnis möglich.
Dieser Zugang wird über den Körper, über verkörpertes Erleben möglich.

In der Praxis und meiner Arbeit mit Dir geht es also genau darum: Dich in Dein körperliches Erleben zu begleiten. Dir Zeit zu geben, damit Du beginnen kannst Dich (wieder) zu spüren. Oft lagern eine Menge von Gedankenkonstrukten und Alltagsstrategien wie tausende von alten Tapeten oder einem Panzer (Wilhelm Reich) über den Empfindungen; trennen Dich vom Körper, verstärken das Kognitive. Diese werden durch Körperarbeit zunächst nach und nach gelöst bzw. durchlässiger, damit ein vollständiges Leben möglich wird.

Ein weiteres Beispiel: Schwindel und Schmerzen in der Schulter.
Eine Frau kommt mit folgenden Symptomen zu mir: Extremer Schwindel mit stark ausgeprägten Gleichgewichtsstörungen, so wie Schmerzen in der rechten Schulter. Schulmedizinisch liegt kein Befund vor. Schon in den ersten Sitzungen zeigt sich ein großes Ausmass an Trauer und Traurigkeit. Das Ereignis: Der Tod ihres Vaters vor 8 Jahren. Nun entladen sich alle Gefühle, die zum Originalzeitpunkt nicht ausgelebt werden konnten oder zurückgehalten wurden. Auch das erstmal wortlose Gefühl von Schuld lebt hier, dass die Klientin unbewusst in ihrer Lebenskraft beeinträchtigt hat. Aus diesem intensiven Erleben heraus formen ihre Lippen einen Satz: “Wäre ich früher da gewesen, dann wäre er nicht gestorben!”
Das unterdrücken von so starker Energie hat sie förmlich aus ‘der Bahn geworfen’. Ihr ist ‘schwindelig’.

Therapeutischer Dialog mit dem Schmerz in der rechten Schulter.
Wie darf ich Dich ansprechen? Du kannst mich 
Pflasternennen.
Geht es Dir gut dort, in der rechten Schuler von X.
Nein, ich bin gar nicht glücklich.Ich glaube ich gehöre hier nicht mehr hin.
Wann bist Du denn in diesen Körper gekommen. Erinnerst Du Dich noch?
Vor ein paar Jahren.
Gab’ es da etwas Besonderes im Leben von X?
Meine Klientin fängt an zu beben und zu weinen. Sie sagt: Mein Vater….
Pflaster, Du kamst also zur Zeit als ihr Vater gestorben ist?
Ja.
Hattest Du eine positive Absicht für das Leben von X?
Ja. Ich wollte ihr helfen weiter zu leben.
Pflaster hast Du eine Idee was ihr helfen könnte, so dass Du sie verlassen kannst?
Change her mind!
Aha, etwas soll sich in Ihrem Denken verändern?
Sie muss von einigen Dingen loslassen.
So wie den Tod ihres Vaters?
Ja. Sie soll alle Gefühle die damit verbunden sind erlauben…

Zwischen vielen Tränen, und einem Abzittern von Spannung, bewegt sich auch die rechte Schulter immer wieder vehement. Danach ist der Schmerz in der rechten Schulter weg.

*Dies ist ein stark! zusammengefastes Beispiel um Dir/Ihnen einen Einblick zu erlauben, wenn ich über erleben und wahrnehmen spreche. Mit dem Verstand allein hätten wir dies nicht berühren und verändern können. Wir brauchen hier auch Worte, aber sie helfen dann, wenn sie das was gespürt wird benennen.

Mit körperorientierten Grüßen!

©Katrin Kelly

www.cranio-sacral-berlin.eu
katrin@cranio-sacral-berlin.eu