Versagen? Tut gut! Und kann das Gold Deines Lebens sein!

August 24th, 2016

Vor einigen Jahren fiel mir ein Foto aus meiner Kindheit (siehe unten) in die Hand. Sofort und ohne dass ein erster Gedanke gedacht werden konnte, flossen mir die Tränen, denn mein Herz sah: ‘Dies ist meine erste Cranio Sitzung’!

Kurze Zeit später kam der Gedanke: ‘Wenn ich das nur da schon gewusst hätte! Das dies zu meiner Aufgabe gehört! Wieviel hätte mir erspart bleiben können…!’

Aber fast gleichzeitig stieg eine klare Stimme in mir auf: ‘Nein! Das stimmt so nicht. Alles und vor allem auch das vermeintlich ‘Schlechte und Schlimme’, was mir im Leben widerfahren ist, hat mich erst reif für meine Lebensaufgabe gemacht. Ohne meine ‘Verletzungen’ durch andere oder mich selbst, ohne mein vermeintliches ‘Versagen’, ohne meine eigene dunkle Seelenzeit, die zu jeder menschlichen Reife dazu gehört, hätte ich niemals die Person und Therapeutin werden können, die ich heute bin (und noch werden kann). Nie!’

Erfahrungen sind das Sandpapier, das Dich aus Deinem gefangenem Ego, Deiner Maske heraus scheuert! Und ja, das tut manchmal auch richtig weh und ist wenig glamourös!

Aber die Frage ist ja: Will ich mich wohl fühlen oder will ich wirklich heil sein?

Johannes Tauler hat es schon vor ganz langer Zeit ganz wunderbar formuliert:

    “Bleibe bei dir selber, laufe nicht nach außen und leide dich aus und such nicht etwas anderes! Leiden ist eines der Werkzeuge Gottes, die mich wegführen von mir selber, von der Sklaverei des eigenen Ich. Der äußere Mensch muss aufgerieben werden, damit der innere Mensch von Tag zu Tag neu werde. Sei gelassen. Lerne warten. Schweigen.”

Heutzutage ist dieses sich ausleiden nicht so populär und die modernen Kommunikationstechnologien führen uns oft nur noch weiter davon weg – ‘Ich mache hier schnell einen Workshop, löse da ein paar Blockaden, schaue mir da ein Webinar an…’ Das kann alles hilfreich und wertvoll sein, aber oftmals ist dies nur eine weitere Ablenkung und die Veränderung bleibt an der Oberfläche: ‘Skindeep’.

Dabei ist das Leben und ‘Mensch und auf der Welt zu sein’ in diesen sogenannten ‘mangelhaften/schwierigen Momenten’ am intensivsten. Eine liminale Zeit, sprich eine Zeit, in der alles in der Luft schwebt, wir unseren Halt verlieren oder herausgefordert werden loszulassen, das andere Ufer aber noch nicht wieder in Sicht ist.

Ich bin keine berühmte Choreografin oder Schauspielerin geworden. Das Handwerk gehört zu mir, aber der Wunsch nach Ruhm/Status gehörte zu meinem verwundetem Selbst, dass im Aussen nach Liebe und Anerkennung suchte.
Ich bin – seelisch gesprochen – ‘tausende von Kilometern gerannt’, aber ‘es hat alles nichts genützt’. Zumindest war das damals mein Gedanke. Durch das, was ich ‘Versagen’ nannte, blieb’ immer wieder nur Eines: Ich selbst. Und ein: Es geht nicht mehr!! Der Schrei in mir war kaum mehr zurück zu halten…Noch ein Kaffee mit einem Produzenten, der Komplimente verteilt (und sonst nicht viel), den ich anlächle, ohne das ich noch da bin, nur noch Hülle. Nein, Schluss! Schluss mit diesen Strategien. Wer bin ich wenn das alles wegfällt?Wenn ich die Tapete abziehe?

So setzte ich mich meinen Mangelgefühlen, meinen Ängsten, meiner Leere und meiner Wut aus. Hier bin ich. Spüren, aushalten, hadern und zanken und wieder spüren – bis irgendwann etwas anderes auftaucht wie ein neuer vager Horizont.

Das dauert…das sich ent-täuschen. Aber dahinter verbirgt sich eine ganz neue Welt: Dir eröffnet sich eine ganz andere Qualität von Freude, Gelassenheit, Frieden.

So möchte ich Dir von Herzen sagen: Alles was Dir passiert, was Du entscheidest, alles was Du als einen Fehler, ein Versagen oder einen grossen Makel in Deinem Leben ansiehst…Eine Beziehung scheitert, Du lässt Dich scheiden, beruflich knallt Dir scheinbar eine Tür nach der anderen ins Gesicht, Du leidest am Burn-Out, obwohl Du doch nur ‘alles richtig machen wolltest’:

Sieh’ es an. Arbeite damit, anstatt Dich damit selbst zu bekriegen! Nimm’ es mit in Deine Meditation, Deinen Spaziergang, Deinen Atem..Denn: Du bist einzigartig und Deine Wunden können Deine Kraft werden…

…und Dich zu einem Leben führen, dass mehr Tiefe hat und Deinem wahren Wesen mehr entspricht, als das Abmühen, Kämpfen und übertriebene Lächeln Deiner ‘Persönlichkeitsmaske’, immer auf der Suche nach dem, was eigentlich schon in Dir ist.

    “…(in life) some stuff happens to us we didn’t design, but so… there is this big hideous stuff… and as an adult, when I finally get brave enough to start the healing of that, when I go in there with a healing intent, like I no longer want this horrible stuff to shut me down or to run my life or to pervert it…you end up getting treasures out of digging in this stuff, as you begin to clean it off. (You may ask) What could possibly be a treasure out of that? I (Anna Forrest) became an extraordinary healer to heal other people…Out of the sexual abuse – strength… I am so strong, I can go through anything including how to love and be happy!”(Anna Forrest, On ‘Ceremony’- Video)

Wo fühlst Du Dich als Versager? Wo in Deinem Leben fühlst Du Dich mangel – oder makelhaft? Wo sind die ‘Brüche’ in Deinem Lebensweg?

Schau zurück.

    Schreib’ es auf. Und schreib’ auch auf, wie es Dir damit ging’ und was Du gelernt hast oder noch lernen kannst.Wir nennen es “Was ich erreicht habe”:-) Es könnte ungefähr so aussehen:

Ich habe etwas aufgegeben, von dem ich glaubte, dass es mein Weg sei… und habe dafür einen viel besseren, authentischeren Weg gefunden. Jetzt lebe ich frei und unkonventionell.

Die tausende Kilometer, die ich ‘gerannt bin’ waren nicht umsonst: Ich habe so in unterschiedlichen Ländern gelebt, andere Kulturen kennengelernt,ich weiss was es bedeutet ‘fremd’ zu sein…

Ich bin nicht bekannt geworden, aber mein künstlerisches Handwerk ist mein Gold wenn es um das Verstehen von Erleben und Verkörperung geht.

Durch alles was ich erleiden musste, lernte ich mich selbst besser kennen und auch wo und wie der Mensch sich verrennt, sein eigenes Leid kreiert, sich in Gedankenmustern verhakt, warum er Angst hat frei zu sein…

Ich arbeitete in einem Hotel als Putzfrau und als Rezeptionskraft in einem Gesundheitsstudio: Mein Ego, meine Persönlichkeitsmaske, bekam hier grosse Risse, der innere Widerstand war manchmal kaum auszuhalten; aber mein Lächeln wurde dafür Tag für Tag authentischer. Das Aushalten ist die ‘Aufgabe der Strategien’, die irgendwann in unserer Kindheit mal hilfreich waren um Aufmerksamkeit zu erhalten, um zu überleben. Somit geht es im Auflösen der Strategien darum auch Ängste zu spüren und loszulassen: Hier geht es – wenn auch unbewusst – um Leben oder Tod.

Cranio - now and then

In meinen Sitzungen und meinen Workshops geht es genau darum:
Was sitzt hinter deinen verspannten Muskeln, deiner Migräne, Deiner Aggression? Du lernst es anzuschauen, loszulassen und andere Wege zu gehen!

Alles Liebe,
Katrin Kelly