Wie Zeit und Sprache Dich von Deiner essentiellen Wahrheit und Grossartigkeit trennen und was Dein Körper damit zu tun hat.

April 12th, 2020

 

 

Im Folgenden möchte ich erzählerisch aufzeigen wie Zeit und Sprache sich bedingen und welchen Einfluss dies auf unser Hiersein, also auch auf unseren Körper und unseren Zugang zu unserer Intuition und Intelligenz hat und daher bedingt wie Du lebst.

Alles beginnt und endet mit einem grossen ‘Gerenne’.

1998. Ich stehe in mitten von London und halte an. Alles und alle rennen weiter und ich denke: Wohin rennen die alle? Gehetzte Gesichter und Grimassen, die Augenmuskeln kontrahiert. Der Atem, der uns verbindet und inspiriert und mit der Quelle verbindet, kann keine Tiefe mehr erreichen.

Oberflächliche Antworten aus meinem gut sozialisiertem Selbst, das den Geschichten und Glaubensmustern glaubt, lauten: “Nach Hause. Zur Arbeit.”  

Mein Wesen glaubt dem nicht: “Und was machen Sie, wenn Sie dort ankommen?” Ja genau. Sie rennen weiter. Selbst wenn Sie am Esstisch sitzen oder im Bett liegen, rennen sie noch weiter und gaukeln sich vor, dass sie von der grossen Ruhe träumen. Oder von einem anderen Leben bzw. dem Konzept eines anderen Lebens. Aber warum? Sie sind immer nicht hier. Als würden sie gar nicht leben wollen, obwohl sie immer das Gegenteil behaupten. Aber ich sehe/spüre das nicht. Wie soll ich auf diesem Planeten sein und meinen Platz finden?

Es beherrscht uns wohl eine grosse Angst, sagt die leise Stimme in mir. Eine grosse Angst vor dem Stehen bleiben, vor der Stille. Als würden wir in einen tiefen dunklen Abgrund stürzen, würden wir stehen bleiben.  Als würden wir sterben? Aber woher stammt diese Lüge, die uns trennt? Ist  es das, was die Bibel meint? Ist dieser Zustand nicht in Sünde zu leben, denn wir nehmen das Paradies gar nicht wahr? Dieses unglaubliche Geschenk, dass wir erhalten haben: Leben?

Das gut sozialisierte Selbst meldet sich brav: ” Ja, die Gesellschaft ist halt so. Das ist der Druck genügend Geld zu verdienen. Eine Existenz aufzubauen. Verstehst Du das denn nicht? Ist doch ganz einfach?!” Nein! Ich fühle mich wie ein Alien. Von anderer Art.

Mein nicht sozialisiertes Wesen weiss: “Nein, das ist es nicht. Das ist es nicht, was ich wahr-nehme, wenn ich anhalte.” Das ‘Rennen’ selbst, also die Beine schnell zu bewegen, ist nicht das Problem, sondern die Wurzel des Rennens und vor allem das immer fortwährende Rennen. Im Aussen und Innen. Als würde man sich konstant und freiem Willen heraus von der Quelle abschneiden. Absurd. Aber wir haben vergessen, wie gross-artig wir sind oder wie Ghandi sagte, wie überwältigend unser Licht eigentlich ist. Wie im Film ‘Matrix’ oder ‘Avatar’ schlafen wir. Wie kommt das? Vielleicht finde ich eine Erklärung, wenn ich weiter zurück gehe:

1987. Ich bin 11 und zu Hause rennen auch alle. Ständig. Mein Solarplexus kontrahiert schon beim ersten Erwachen. Man muss schnell sein. (Ich nehme gerade wahr, dass ich automatisch ‘man’ geschrieben habe.) 

Um schnell sein zu können, muss man sich wappnen und das bedeutet: Ich mache mich fest und zu. Der Atem wird flach. Ich lerne den Kontakt zu mir zu verlieren, zur Wahrheit meiner Natur, denn um in Kontakt zu bleiben, müsste ich viel langsamer werden dürfen. Ich beginne mich selbst nicht mehr zu mögen, aber weiss nicht warum. (Das Ende der natürlichen Selbstliebe und Liebe zu dem, was ist.) Ich fühle mich unwohl, aber ich sage es nicht, denn dazu muss man anhalten dürfen und auch jemand anderes müsste anhalten, um es zu hören. Denn dann könnten wir uns wieder spiegeln, was wahr ist: Das wir mehr sind als die Realität, die entsteht, wenn wir schnell und abgeschnitten sind. So entsteht ein Graben, wo vorher gar keiner war; mit zwei Seiten. Durch den Graben entsteht Angst. Durch Angst, Hass und Aggression. Diese werden uns erzählen, das sie für unser Überleben wichtig sind – für das Überleben unseres kleinen ICH’s oder Ego-Ich’s. Und wenn wir diesen Graben eines Tages überqueren wollen, um wieder eine Brücke zu bauen, fragt die Angst: Wirklich? Bist Du Dir auch ganz sicher?                                                                                                         Hier ist der Anfang. Der Anfang vom Ende der Selbstliebe und einem Gefühl vor sich selbst davon rennen zu müssen, denn in mir lauert vielleicht etwas Dunkles, ein Monster…..

Lineare Zeit, lineares Zeitempfinden fördert eine Sprache, die das abgeschnitten sein füttert.           Lineares Zeitempfinden verursacht – oft kaum merklich – eine Anspannung, einen inneren Druck, der schon verhindert dass ich gut oder vollständig bei mir bin. Gut im Hier & jetzt bin. Das kennst Du vielleicht ganz konkret wenn Dein Tag voll durchgeplant ist – schon morgens beim Aufwachen beginnt der Druck, das fest werden Deines Körpers, Deiner Augenbälle: Das Sich-Wappnen – wie ich es oben schon beschrieben habe. Dann bist Du schon nicht mehr da, Du bist dann in der Zukunft oder in der Vergangenheit: Was muss ich heute alles schaffen oder übermorgen oder bis nächstes Jahr oder worüber habe ich mich gestern geärgert etc. Meine Sprache passt sich dem an und zementiert und bestätigt damit immer wieder auf’s Neue dieses abgeschnitten sein. Sprache entspricht nicht mehr dem was und wie es ist, sondern wird ausgehöhlt und hart- irgendwo darin befindet sich wie wir uns wirklich fühlen, alles was wir nicht sagen oder wegdrücken.

Dramaturgen wie Harold Pinter und Samuel Beckett haben dies erkannt und haben damit in den späten 50ern gearbeitet. Ihr Theater wurde als Absurd Theatre bekannt. Pinter entwickelte eine Art von Sprache, die sich selbst entlarvt; sprich’ hinter der man sich nicht mehr verstecken kann. In meiner M.A. Arbeit mit dem Titel: Untying the Text – Revealing the Unspoken habe ich dies erforscht. Eine seiner Kernaussagen ist für mich:

When true silence falls we are left with echo, but are nearer nakedness. One way of looking at speech is today that it is a constant stratagem to cover nakedness.  

Übers.: Wenn wir wahrlich still werden bleibt noch ein Echo, aber wir nähern uns einer ‘Nacktheit’ an. Eine Möglichkeit Sprache zu betrachten ist sie als konstante Strategie unsere eigene Nacktheit verbergen zu wollen zu sehen.

Verwirrung in Beziehung oder der Versuch sich selbst in anderen zu finden, um wieder ganz zu sein. Durch diese Entwicklungen gibt es einen Subtext, in dem noch teilweise zu spüren ist, was jemand wirklich fühlt, aber nicht sagt bzw. nicht danach handelt. Die Verwirrung in unseren Begegnungen wird so weiter verstärkt. Eine ‘Methode’, die wir entwickelt haben, ist, dass wir versuchen das Loch, das in uns durch die Trennung entstanden ist durch einen anderen zu füllen. 2 Eisberge die auf einander prallen, in der Hoffnung das der/die andere zuerst schmilzt. Hierzu lasse ich noch einmal Harold Pinter zu Wort kommen:

“…in our silence, in what is unsaid, and that what takes place is a continual evasion, desperate rearguard attempts to keep ourselves to ourselves. Communication is too alarming. To enter someone else’s life to frightening. To disclose the poverty within us too fearsome a possibility.”

Übers.: “…in unserem Schweigen, in dem was wir nicht sagen und dem was passiert, gibt es ein konstantes Ausweichen, einen verzweifelten Versuch uns in uns selbst zu schützen. (Wahrhaftige) Kommunikation ist alarmierend. Tatsächlich in das Leben eines anderen einzutauchen zu erschreckend. Unsere innere Armut preiszugeben eine furchterregende Möglichkeit.”

Veränderung durch Verkörperung.                                                                                                         Wenn wir dies durch einen meist immer höheren Leidensdruck bemerken, haben wir Möglichkeiten aus dieser oberflächlichen Form von Dasein auszusteigen; dazu müssen wir nicht viel ‘tun’, sondern eher beginnen zu ‘sein’. Mit Hilfe von den genannten Elementen: Zeit – Sprache – Verkörperung. Verkörperung steht für mich an erster Stelle: Werde ich mir meines Körpers gewahr bzw. beginne ich wirklich ihn zu bewohnen muss ich automatisch entschleunigen; wenn ich aus meiner Körperlichkeit heraus lebe, also aus der GEGENWÄRTIGKEIT werde ich automatisch anders sprechen und eine andere Realität kreieren.

  • Verkörperung = Ich bin. Ich erfahre die phänomenale Welt und mein Dasein wie es ist.
  • Entschleunigung = Ich bin Gegenwärtigkeit.
  • Sprache der Gegenwärtigkeit – Sprachloses Sein                                                                               Beschreibt Sprache was jetzt ist, bist Du automatisch auch entschleunigt, Dein Atem vertieft.  Greg Bradden erzählt zum Beispiel von den Hopi Indianern. Sie haben eine Sprache, die nur ein PRÄSENS hat. Alles ist. Versuche das mal. Wenn Du immer im Präsens bist, kannst Du dann hassen, vergleichen, bekämpfen, bewerten…? Kannst Du dann rennen? ODER aufzuhören Dinge, Menschen, Situationen zu benennen, ihnen einen Namen zu geben: Normalerweise benennen wir etwas in Millisekunden. Dieses benennen ist oftmals schon vermischt mit einer Bewertung. Bewertung trennt. Übe ich mich allerdings ein wenig darin, kurz inne zu halten ohne zu benennen, kann ich beginnen aus vertiefter Wahrnehmung heraus zu leben. Aber es benötigt meine geistige Übung bis es sich verselbstständigt und die Übung gar nicht mehr notwendig ist. Wie beim Fahrrad fahren.                                                                                

Resultat ist u.a.:

  • Du musst nicht mehr rennen. Handlung, die im Leben wichtig ist geschieht – fast wie von selbst.
  • Verbindung und Anbindung zur Quelle, entsteht. Das kleine ICH (auch Ego genannt) der Angst fällt. Es darf noch eine spielerische Form meines Hierseins sein (Bsp.: Ich bin gerne KATRIN, Katrin mag dies, das weniger….ich spiele mit den Formen (das kann Materielles sein, Körperliches, das können aber auch Gedankenformen sein – eben ganz MENSCHSEIN), aber ich bin mit der Form nicht mehr identifiziert; sprich’: Ich flippe nicht total aus, wenn ich etwas nicht bekomme, wenn ich gern die Sonne mag, aber es regnet).                                                                                                               
  • Selbst – Bewusstsein entsteht. Nicht ein Ego, das ich konstant verteidigen muss, dass sich richtig anstrengen muss um sich Daseinsberechtigung zu ‘erarbeiten’. Hier gibt es keine Dualität mehr, denn dieses Selbst – Bewusstsein ist unantastbar.
  • Körperlich fasst es dieses Sprichwort gut zusammen: Anspannung ist das, was ich glaube sein zu müssen. Entspannung ist wer ich wirklich bin.

Zum Bild: Der Kreis ist die Ewigkeit, die immer JETZT ist. Das Feld. Aus dieser werden wir in unsere menschliche Form geboren (Körper/”skin-covered hereness”); diese Zeit der Form hat einen Anfang und ein Ende; aber wenn die Form sich auflöst, wo sind wir dann? Genau- immer noch in der Ewigkeit! Wenn ich beginne dahingehend aufzuwachen, wird alles was Deine menschliche Existenz Dir bietet ein Geschenk!